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Ein kleines Stück vom Seeglück: Annunciata Foresti bringt Ammerseelandschaften auf die Leinwand

Eine schmale Treppe führt direkt in das Atelier von Annunciata Foresti. Ein überschaubarer Raum, lichtdurchflutet, voll mit großformatigen Leinwänden und allerhand Malutensilien. Pinsel, Farbtuben und Skizzen breiten sich auf dem hölzernen Arbeitstisch in der Mitte des Zimmers aus. An den Wänden hängen kleine Malereien, viel Blau und Weiß, aufgetragen in einem lockeren Duktus. Ammerseewellen. „Die Ammerseelandschaften gehören zu meinen Lieblingsmotiven“, sagt die Künstlerin.

Wind und Wellen: Eine kleinformatige Malerei von Annunciata Foresti aus der Reihe „Windstärke 9“ (Aufnahme: Foresti).

Der Ammersee als Lieblingsmotiv

Seit über zehn Jahren arbeitet Foresti im Dießener Stellwerk, dem markanten roten Kubus nahe der Seeanlagen. Sie hat das Gebäude, in dem jahrelang die Gleise der Eisenbahn gesteuert wurden, von der Deutschen Bahn übernommen und hergerichtet. Umfunktioniert in ein Atelierhaus. Zwei Etagen und ein kleiner Garten, Orte der Inspiration und des künstlerischen Schaffens. 

„Unten ist mein Sommeratelier“, erzählt sie. Jetzt, in den eisigen Wintermonaten, stehen im Erdgeschoss frostempfindliche Pflanzen und warten auf den Frühling. Bis die warmen Tage zurück sind, heizt es sich Foresti im ersten Stock ein und beginnt zu arbeiten. Sie malt den See, die Berge, die Blumen aus ihrem Garten. Acryl auf Leinwand. „Die Natur ist mein Vorbild“, erzählt die Künstlerin. Raus geht sie zum Malen aber nicht, die Bilder entstehen alle in ihrem Atelier. Fotos, selbst aufgenommen, sind meist die Inspirationsquelle. Oder die eigene Fantasie: „Ich habe ein fotografisches Gedächtnis.“ 

Als „Vielmalerin“ bezeichnet sich Annunciata Foresti. Die Liebe zur Malerei währt seit mehr als 40 Jahren. Über das Kunsthandwerk, die Seidenmalerei, ist sie damals zu ihrer Berufung gekommen. „Richtig eingestiegen bin ich ins Malen ungefähr 1990“, sagt Foresti. Eine Zeit lang besuchte sie auch die Kunstakademie in München, einen Abschluss hat sie dort allerdings nicht gemacht. Bald wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und 1994 schließlich den an die Öffentlichkeit. Und zwanzig Jahre später, 2004, kamen die Ammerseelandschaften. 

Früher malte Foresti wild und expressiv, dann fand sie ihre Inspiration in der Natur

„Insgesamt hatte ich vier Malphasen“, erzählt die Künstlerin. Immer wieder greift sie Themen daraus auf, auch heute noch. Früher waren die Arbeiten abstrakt, entstanden ganz aus der Fantasie heraus. Die Bilder aus dieser Zeit haben expressionistische Züge, erinnern an Franz Marc, sind kontrastreich und dynamisch. Irgendwann wandte sich die Künstlerin dann der Natur zu: Berge, der See, Pflanzen wurden Thema. „Manchmal liegen Berge und Wasser sehr nah beieinander“, meint sie und zeigt an einem der kleinformatigen Seestücke, dass sich eine Welle auch als Hügel identifizieren lässt. Foresti ist von der Natur fasziniert, liebt es, sie einzufangen. „Windstärke 9“ heißt die Bilderreihe, die Wind und Wellen des Ammersees darstellt. „Stille Riesen“ nennt sie ihre Bergmotive.

Gerade ist Annunciata Foresti in ihrer floralen Malphase. Bunte Blüten füllen die großen Formate. Violett, Orange, Rot. „Ich liebe vor allem Rosen und Hortensien“, sagt sie und lächelt. Schon jetzt kann sie es kaum erwarten, bis der Winter endlich vorbei ist und es um das Stellwerk herum wieder sprießt und blüht. Inspiration aus den eigenen Beeten ziehen, Blickpunkte des Gartens auf die Leinwände bringen.

Annunciata Foresti in ihrem Atelier, zwischen ihren aktuellen Blumenmalereien und neben einem ihrer „Stillen Riesen“.

Die Künstlerin meint, es ist ganz unterschiedlich, wann ein Werk fertig ist. „Manchmal übermale ich die Bilder auch öfter.“ Auch das beeinflusst den Malprozess und letztlich das Endergebnis. Besonders spannend findet Foresti, wenn die verschiedenen Malschichten ineinander greifen und das vorherige Motiv in das neue übergeht. Das ist an vielen ihrer Bilder zu erkennen. „Die Vergangenheit ist immer mit dabei“, sagt sie, während sie über eine der großen Leinwände streicht. „Die Zukunft sollte aber immer vorherrschend sein.“ 


Fotos: Eigene Aufnahmen.

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