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Das Künstlerhaus Gasteiger in Holzhausen

Östlich von Holzhausen am Ammersee, eingebettet in ein weitläufiges Seegrundstück mit Bachlauf und baumgesäumten Wiesen, erstrahlt die Villa des Künstlerehepaars Gasteiger. Anna Sophie und Mathias Gasteiger ließen das Gebäude zu Beginn des letzten Jahrhunderts in mehreren Bauphasen und nach eigenen Vorstellungen als Sommersitz errichten. Heute können Besucher durch die Wohnräume, das Atelier und die Gartenanlage streifen und für einen Moment in die Lebensrealität des Künstlerpaares eintauchen. 

Anna Sophie und Mathias Gasteiger

Das Künstlerpaar Anna Sophie und Mathias Gasteiger.

Der Bildhauer Mathias Gasteiger (1871-1934) zählt zu den bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten Bayerns. Er wurde vor allem durch sein Münchner Brunnenbuberl bekannt, das in der Fußgängerzone nahe des Karlstors platziert ist. Aber auch der Dianabrunnen und das Reiterstandbild auf der Rennbahn in Riem zählen zu seinen Werken.

Die aus Lübeck stammende Anna Sophie Meyer (1877-1954) kam 1894 zum Studium nach München und später in die Dachauer Bildhauer- und Malerschule. Dort lernte sie Mathias Gasteiger kennen, der die Schule zuvor gegründet hatte. Insbesondere ihre Blumenstilleben brachten Anna Sophie Gasteiger zu großer Anerkennung und Bekanntheit. Der große Garten, den das Künstlerpaar selbst anlegte, sollte der Inspirationsort vieler ihrer Arbeiten sein.

Blick in den Landschaftsgarten vor dem Künstlerhaus Gasteiger.
Blick in den Landschaftsgarten vor dem Künstlerhaus Gasteiger.

Der Traum vom Sommerlandhäuschen am See

Die Gasteigers erwarben 1902 das Seegrundstück in Holzhausen, das sie in den Folgejahren durch Ankäufe vergrößerten und mit einem Sommerhaus bebauten. Es ist anzunehmen, dass der älteste Teil des Gebäudes – der Mittelteil mit Mansarddach – von Mathias Gasteiger selbst als Sommerlandhäuschen entworfen wurde. Verschiedene Anbauten führten zu der Vergrößerung des kleinen Landsitzes.

So ermöglichte der südliche Salonanbau die Erweiterung des Hauses zu einem repräsentativen Wohngebäude. Der Anbau eines Ateliers an der Nordseite schaffte schließlich einen Raum mit besten Licht- und Arbeitsbedingungen. Insgesamt sollte sich die Errichtung der Künstlervilla über fünf Jahre erstrecken – von 1908 bis 1913. 

Südlich (links) wurde der Salon, nördlich das Atelier angebaut.

Für die Malerin und den Bildhauer wurde das Künstlerhaus ein Ort zum Leben, Arbeiten und des gesellschaftlichen Austauschs. Schließlich etablierte sich der Sommersitz Gasteiger zu einem beliebten Treffpunkt der ansässigen Künstler. 

Die Gasteiger-Villa als Ursprung der Künstlerkolonie in Holzhausen

Irene Faber-Gasteiger, die einzige Tochter des Künstlerehepaars, beschrieb das Sommerhaus ihrer Eltern gar als den Ursprung der Holzhausener Künstlerkolonie: Die meisten Künstler aus München und dem Umland hätten sich erst wegen der vielen geselligen Zusammenkünfte im Hause Gasteiger später selbst am Ammersee niedergelassen. 

Tatsächlich zählten Maler wie Fritz Erler, Adolf Münzer und Walter Georgi quasi zu den Nachbarn der Gasteigers. Die drei Münchner Künstler, die im Jahr 1899 die Künstler-Vereinigung Scholle gegründet hatten, ließen sich etwa zeitgleich ihre Atelier-Häuser im oberen Ort errichten. Auch der Simplicissimus-Illustrator Eduard Thöny wurde 1908 in der kleinen Ortschaft am Ammersee ansässig. So war Holzhausen im frühen 20. Jahrhundert Wirkungszentrum und neue Heimat bedeutender Künstler aus dem Münchner Raum.

Auf den Spuren einer anderen Zeit: Das Museum im Künstlerhaus Gasteiger

Seitenansicht des Gasteiger Hauses mit Blick auf den Weiher.

Nach dem Tod Irene Faber-Gasteigers 1984 ging der Künstlersitz in Holzhausen an den Freistaat Bayern und damit an die Bayerische Schlösserverwaltung über. Zehn Jahre später konnten sowohl das Wohnhaus als auch der zugehörige Landschaftspark der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Villa dient seither als Museum, das eine Auswahl von Anna Sophies und Mathias Gasteigers Werken beherbergt.

Nahezu das gesamte Erdgeschoss wird zu Ausstellungszwecken genutzt. In Eingangsraum, Badezimmer, Bauernstube und Salon finden sich Plastiken des Bildhauers sowie die Malereien von Anna Sophie Gasteiger. Die Werke stammen entweder aus dem Nachlass oder konnten durch den Freistaat angekauft werden. Im ehemaligen Atelier wurde eine kleine Gemäldegalerie mit Darstellungen der Künstlerin eingerichtet, in der die farbkräftigen Blumenstillleben, die Ansicht des Künstlerhauses oder des Forellenweihers zu sehen sind. 

Teile der Originalausstattung sind noch erhalten – etwa Kachelofen, Eckbank und Wandvertäfelung – und das Mobiliar wurde weitestgehend rekonstruiert. So vermittelt das Museum einen authentischen Einblick in das Leben des Künstlerpaars zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Auch historische Fotografien von Anna Sophie und Mathias Gasteiger, deren Tochter Irene sowie von Wohnsitzen und Ateliers versetzen den Besucher in eine andere Zeit. 

Fazit

Der Sommersitz der Gasteigers diente den Künstlern zur Inspiration, als Arbeitsplatz und einem Ort der gesellschaftlichen Zusammenkunft. Bei einem Besuch des Museums oder des weitläufigen Landschaftsgartens ist die besondere Atmosphäre der Künstler-Villa bis heute spürbar. Nicht nur die Malereien und Plastiken, auch die erhaltene Ausstattung des Wohnhauses spiegeln die Arbeits- und Lebensrealität des Künstlerpaares Anna Sophie und Mathias Gasteiger wider.


Literatur:
Heym, Sabine/Schmid Elmar D.: Mathias und Anna Gasteiger. Aus einem Münchner Künstlerleben um 1900. Dachau 1985.
Maurer, Emil (Hrsg.): 1200 Jahre Holzhausen am Ammersee. 776-1979. St. Ottilien 1976.

Fotos:
Eigene Aufnahmen
Bayerische Schlösserverwaltung (schloesser.bayern.de)

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