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Der Bergmüller-Hund geht um: Martin Gensbaur holt das Unikat des „Dießener Himmels“ an örtliche Hauswände

Nur wenige Meter ist Martin Gensbaurs Werkstatt von dem Motiv entfernt, das sich neuerdings auch an der ein oder anderen Hauswand in Dießen wiederfinden lässt. Die Rede ist von dem bellenden Hund aus dem Deckenfresko des Marienmünsters, den Johann Georg Bergmüller schon vor über 280 Jahren in seinem „Dießener Himmel“ inszenierte. 

Stolz blickt Martin Gensbaur auf seinen neuen Mitbewohner in der Hofmark.

„Das Motiv begleitet mich schon lange“, meint Gensbaur, der in der Hofmark arbeitet und aktuelle Malereien regelmäßig im Kunstfenster präsentiert. Unter anderem wählte er die charakteristische Silhouette des Hundes als Logo für den neu gegründeten Verlag edition Kunstfenster.

Seit Pfingsten ziert der Bergmüller-Hund auch die Fassade seines Wohnhauses im Ortskern. „Eigentlich wollte ich noch einen weiteren Ausschnitt aus dem Dießener Himmel übernehmen“, erzählt der Künstler. „Dann hatte ich aber die Befürchtung, es könnte zu sehr ‚Oberammergau‘ werden.“ Eine solche „Über-Barockisierung“ wolle Gensbaur in jedem Fall vermeiden. Daher beließ er es erst einmal bei dem Fresko, das gut sichtbar an der Fläche unter seinen Ausstellungsfenstern platziert ist.

Vielleicht ergänzt der Künstler sein Gebäude schon bald mit einer weiteren Gestalt des „Dießener Himmels“: dem kleinen, wegrennenden Mädchen, das dem Bergmüller-Hund im Langhaus-Fresko gegenübersteht. „Das Kind könnte auch die Autofahrer daran erinnern, langsam zu fahren“, meint Gensbaur. Wann und ob der Künstler dieses Projekt in die Tat umsetzt, ist derzeit noch unklar.

Malen in den Putz: Die Bedingungen müssen stimmen

Damit eine Freskomalerei glückt und lange besteht, muss sie unter den richtigen Bedingungen angebracht werden. „Am besten geht es bei nassem Wetter“, erklärt der Künstler, der schon reichlich Erfahrung mit dieser Art der Wandmalerei sammeln konnte.

Als der richtige Zeitpunkt gekommen war, holte Gensbaur den Bergmüller-Hund Schritt für Schritt zu sich in die Hofmark: Zuerst malte er seinen Umriss in roter Farbe an die Fassade, wobei eine einfache Schablone aus Pappe als Vorlage diente. Nach dem Abtragen des Verputzes pinselte der Künstler das Motiv schließlich mit feuchten Pigmenten an die Wand. Der ganze Vorgang musste schnell gehen: „Nach zwei Stunden war das Fresko fertig.“

Eine Schablone aus Pappe erleichtert Gensbaur die Arbeit.

Anlass für den Bergmüller-Hund war das „Happening der Bildenden Kunst“

Anlass für die „Lüftlmalerei im Luftkurort“, wie es der Dießener Künstler selbst beschreibt, war das „Happening der Bildenden Kunst“ – ein Wettbewerb, den der Verein Kunst hält Wache im Rahmen einer Corona-konformen Kunstaktion im Kultursommer für den Landkreis Landsberg ausgeschrieben hatte. Gensbaurs Konzept sah den Hund an zwei kulturträchtigen Orten in Dießen vor: am Blauen Haus und an der Fassade des Stellwerks

Der Bergmüller-Hund schaffte es leider nicht, die Jury von sich zu überzeugen, sodass man ihn vorerst nur an der Fassade des Künstlerhauses bestaunen konnte. Das sollte sich aber bald ändern: „Es gibt schon andere, die den Hund an ihrer Wand haben wollen“, freut sich Gensbaur. So bellt der Bergmüller-Hund neuerdings auch vom Wohnhaus des ehemaligen Bürgermeisters den vorbeiziehenden Spaziergängern entgegen. 

Der zweite Bergmüller-Hund prangt seit kurzem an einer weiteren Hausfassade. (Foto: Gensbaur)

Fotos: eigene Aufnahmen.

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